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Gersheimer Notizen
Das Ende der Welt liegt mitten in Europa

Kanalrückstau und keiner wills gewesen sein

Peppenkum: Der überlaufende Kanal soll erstmal keine Rückstauklappe erhalten. Neue Kanaldeckel und eine Höherlegung der Rückstauebene sollen es richten.

Das jedenfalls verkündete der Vertreter des Bauamtes der Gemeinde Gersheim, Herr Homberg, am Ende einer Versammlung den betroffenen Grundstückseigentümern.

Zu der Versammlung war es gekommen, weil der neue Abwasserkanal, der quer durch die Gärten der Grundstückseigentümer gebaut worden war, bei etwas stärkerem Regen überläuft. Das ungeklärte Abwasser quillt dann aus den Anschlussschächten und überflutet die Gärten. Während ein Rückstau im Kanal grundsätzlich schon mal vorkommen kann, so sollte es doch dieser Fall hier nicht eintreten. Denn zum einen handelt es sich um einen reinen Schmutzwasserkanal, in den (eigentlich) kein Regenwasser eingeleitet werden sollte, und zum anderen sollte ein Rückstau aus den anderen, verbundenen Kanälen, die als Mischwassersysteme ausgelegt sind, nur bei sehr starken Regenereignissen stattfinden, nicht jedoch bei nur etwas stärkerem Regenwetter, wie es mehrmals im Jahr stattfindet.

Leider waren die technischen Einzelheiten des Kanals und der mit ihm verbundenen Bauwerke den Grundstückseigentümern vor Beginn der Sitzung nicht bekannt, so dass ein Großteil der Sitzung auf die Erläuterung dieser Einzelheiten entfiel. Diese Aufgabe wurde von zwei Ingenieuren, einem vom EVS (Entsorgungsverband Saar) und einem von der Gemeinde beauftragten, übernommen.

So erläuterte zu Beginn der Sitzung ein Vertreter des EVS die Funktionsweise des Regenüberlaufbeckens (RÜB) und der angeschlossenen Pumpe, die beide vom EVS gebaut wurden und von ihm betrieben werden. Alle Mischwasserkanäle des Dorfes und der hier interessierende neue Schmutzwasserkanal münden in das Regenüberlaufbecken. Von diesem wird das Abwasser bei gutem Wetter in die Kläranlage gepumpt. Bei Regen wird nur soviel Wasser in die Kläranlage gepumpt, wie deren Fassungsvermögen entspricht, der Rest läuft kontrolliert über, in die Bickenalb.

Dass seit dem Bau der Kläranlage und des Regenüberlaufbeckens öfter Klopapier und ähnliche Hinterlassenschaften das Ufer der Bickenalb verzieren, ist also gewollt und kein Fehler. Das Vorhandensein der Kläranlage bedeutet nicht, dass alle Abwässer geklärt werden, sondern die Menge des geklärten Wassers wird durch die Kapazität der Kläranlage bestimmt. Bei Regen übersteigt die Wassermenge diese Kapazität. Diese Eigenschaft des Entwässerungssystems ist gewollt, Regenwasser soll nicht geklärt werden und wenn es anfällt, ist es eben nicht möglich, es vom Schmutzwasser zu trennen.

Vollständige Klärung der Abwässer ist also nicht zu erreichen, das muss trotz aller Investitionen wohl akzeptiert werden und wird anderswo genauso gehandhabt. Allerdings bleibt offen, wie der Überlauf aus dem RÜB funktioniert, wenn der Wasserspiegel der Bickenalb höher steigt als der im Überlaufbecken. Die Bickenalb führt mehrmals im Jahr Hochwasser, vor allem im Winterhalbjahr ist es ein normales Ereignis.

Der hier interessierende Schmutzwasserkanal verläuft, bedingt durch das tiefliegende Gelände und die erforderliche Bautiefe, deutlich unterhalb der Hochwassermarke der Bickenalb. Trotzdem soll es physikalisch unmöglich sein, dass Wasser aus den Anschlussschächten austritt. Die Entwässerung des RÜB soll immer funktionieren, weil die Rückstauklappe an der Einmündung in die Bickenalb mit Gegengewichten ausgestattet ist. Auch soll es völlig unmöglich sein, dass Wasser aus höhergelegenen Ortsteilen in den Kanal zurückstaut. Tatsächlich quillt das Wasser aus den Schächten. Warum auch immer.

Die Gründe für das Überlaufen des Kanals bleiben also weiter im Dunkeln, eine Rückstauklappe könnte das Problem lösen, soll aber nicht oder jedenfalls noch nicht eingebaut werden. Statt dessen sollen zwei der betroffenen Anschlussschächte mit fest verschlossenen Deckeln versehen werden und ein dritter, am Beginn des Kanals, soll erhöht werden, mit einem Deckel, der Luft in den Kanal lässt. Zu dem Zweck soll ein weiterer Betonring auf den Schacht aufgesetzt werden und die Umgebung mit Erdreich zu einem kleinen Hügel aufgeschüttet werden. Alles mitten im Rasen, auf einem Privatgrundstück.

Der kleine Hügel hätte immerhin den Vorteil, dass beim nächsten Überlaufen sich das Abwasser großflächig verteilen würde, so dass der Nachweis schwieriger wird, wo das Wasser genau herkommt. Und das Verschließen der anderen Anschlussschächte wird wohl zur Folge haben, dass das Wasser dann aus den privat an den Hausanschlusskanälen angebrachten Reinigungsschächten kommt. Letzere sind bei Hausanschlüssen, die teilweise über 30 Meter lang sind, notwendig.

Insgesamt entsteht der Eindruck, dass es nicht um eine Lösung des Problems, sondern nur um ein Weiterreichen des schwarzen Peters ging. Dazu hätte man keine Sitzung gebraucht, es hätte gereicht, die ohnehin vorher feststehenden Maßnahmen bekanntzugeben.

Statt Erklärungen oder Ursachenforschung gab es ein Loblied auf die Tatsache, dass die ungeklärten Abwässer nur in verdünnter Form in die Bickenalb eingeleitet werden und eine Erklärung des Prinzips der kommunizierenden Röhren. Auf das hygienische Problem, das entsteht, wenn das Abwasser den Gemüsegarten überflutet, wurde nicht eingegangen.

Die Sitzung war am 25.11., seither ist der Kanal noch einmal übergelaufen, am 8.12. Man wird sehen, wann „jetzt“ die Arbeiten an den Schächten durchgeführt werden.

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