≡ Menu
Gersheimer Notizen
Das Ende der Welt liegt mitten in Europa

Landtagswahl im Saarland – Sitzverteilung

Das Saarland hat gewählt. Die Wahlbeteiligung war mit 67,6% diesmal deutlich höher als vor fünf Jahren. Die CDU bekam 34,5% der Wählerstimmen, die SPD 24,5%, die Linke 21,3%, die FDP 9,2% und die Grünen 5,9%. Die anderen Parteien scheiterten an der fünf-Prozent-Hürde. Damit sind fünf Parteien im Landtag vertreten.

Sitzverteilungsverfahren

Nach dem Landtagswahlgesetz werden nur die Parteien für die Sitzverteilung im Landtag berücksichtigt, die mindestens 5% der Wählerstimmen erhalten haben. Das sind die CDU, die SPD, die Grünen, die FDP und die Linken. Auf diese Parteien sind die 51 Sitze im Landtag möglichst in dem Verhältnis zu verteilen, in dem die Wählerstimmen auf die Parteien entfallen.

Idealerweise müssten also auf die CDU, die 34,5% der Stimmen erhalten hat, auch 34,5% der Sitze entfallen. Entsprechend müssten die SPD 24,5%, die FDP 9,2%, die Grünen 5,9%, die Linken 21,3% der Sitze erhalten. Da die Sitze natürlich nur ganzzahlig an die Abgeordeten vergeben werden können und da sich die Prozentzahlen wegen der Parteien, die weniger als 5% der Stimmen erhalten haben, nicht auf 100% summieren, wird ein Sitzzuteilungsverfahren verwendet. Dieses legt durch ein im voraus bekanntes Berechnungsverfahren genau fest, unter welchen Bedingungen welche Partei und welcher Abgeordnete einen Sitz im Parlament erhält. Im Fall des saarländischen Landtags ist dies das d´Hondtsche Höchstzahlverfahren.

Für die Berechnung werden nicht die prozentualen Anteile der Stimmen verwendet, sondern die absoluten Stimmenzahlen, die die Parteien erhalten haben. Bei Verwendung des d’hondtschen Höchstzahlverfahrens teilt man die Zahl der erhaltenen Stimmen einer Partei nacheinander durch eine aufsteigende Folge natürlicher Zahlen (1, 2, 3, 4, 5, …, n). Die dabei erhaltenen Bruchzahlen werden als Höchstzahlen bezeichnet. Im Fall der saarländischen Landtagswahl kann man das Ergebnis dieser Berechnung in einer Tabelle wie folgt darstellen.

dhondtsche hoechstzahlen

Die Parteien werden nebeneinander in den Spalten aufgeschrieben. In jeder Zeile werden dann die Ergebnisse der Divisionen der erhaltenen Stimmzahlen durch einen Divisor (1, 2, 3, 4, 5, …, n) nebeneinander aufgeschrieben. In der obersten Zeile stehen wegen der Division durch 1 also die jeweiligen erhaltenen absoluten Stimmzahlen der Parteien. In der zweiten Zeile stehen die Ergebnisse der Division durch 2 dieser Stimmzahlen. In der dritten Zeile die Ergebnisse der Division durch 3 und so weiter. Da fünf Parteien an der Verteilung beteiligt sind, stehen also in jeder Zeile fünf Höchstzahlen. Dieses Verfahren muss solange fortgesetzt werden, bis die 51 größten Zahlen, die Höchstzahlen, feststehen. Für jede Höchstzahl wird dann ein Sitz im Landtag an die jeweilige Partei vergeben.

Es ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU 19, SPD 13, Grüne 3, FDP 5, Linke 11 Sitze.

Damit man diese Berechnungen nicht von Hand anstellen muss, gibt es natürlich auch Sitzverteilungsrechner auf dem Netz. Die Berechnung von Hand dient nur der Veranschaulichung des zugrundeliegenden Algorithmus.

Für den saarländischen Landtag stehen nach dieser Berechnung nur fest, wieviele Sitze die einzelnen Parteien erhalten, noch nicht, welche Abgeordneten genau die einzelnen Sitze erhalten werden. Denn es werden 41 Sitze über die Wahlkreislisten der Parteien vergeben und 10 Sitze über die Landeslisten der Parteien. Die zu erstellende Tabelle umfasst für jede Partei drei Spalten, da drei Wahlkreise zu berücksichtigen sind, insgesamt also 15 Spalten. Die aus dieser Tabelle erzielten Höchstzahlen werden für die Vergabe von 41 Sitzen verwendet. Danach kann dann festgestellt werden, wieviele Sitze jede Partei noch aus den 10 über die Landeslisten zu vergebenden Sitze bekommt, um auf ihre zuerst festgestellte Gesamtzahl an Sitzen zu kommen. Es gibt dann im saarländischen Landtagswahlgesetz noch eine Reihe von Regelungen für den Fall, dass eine der beteiligten Listen weniger Kandidaten enthält, als der jeweiligen Partei Sitze zustehen. Davon musste in diesem Fall aber kein Gebrauch gemacht werden.

Im Endeffekt steht dann also fest, wieviele Sitze jede Partei in jedem Wahlkreis und über die Landesliste erzielt hat. Da in jeder Wahlkreisliste und in jeder Landesliste die Bewerber in einer eindeutigen Reihenfolge angegeben sind, kann man also eindeutig festlegen, wer im neuen Landtag Abgeordneter sein wird.

Das verwendete d´Hondtsche Sitzverteilungsverfahren hat in diesem Fall, obwohl es oft kritisiert und in manchen Ländern auch schon als verfassungswidrig eingestuft worden ist, zu einer fairen Verteilung der Sitze geführt. Die Anzahl der Sitze der Parteien entsprechen dem Verhältnis des Wahlergebnisses, die kleinen Parteien wurden nicht benachteiligt. Nicht berücksichtigt wurden natürlich wie immer die Nichtwähler.

Folgerungen

Im Moment gilt das allgemeine Interesse weniger der Frage der personellen Besetzung der einzelnen Sitze im Landtag als vielmehr der Tatsache, dass CDU und FDP zusammen 24 Sitze im Landtag errungen haben, genauso viele wie SPD und Linke zusammen. Die Grünen, die nur 3 Sitze haben, können jetzt über die Regierungskoalition entscheiden. Es ist offen, wie sie sich entscheiden werden.

0 Kommentare… jetzt kommentieren:

Wir freuen uns über Kommentare!