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Gersheimer Notizen
Das Ende der Welt liegt mitten in Europa

Untersuchungen, die uns vorenthalten werden

Im Zusammenhang mit den unterschiedlichsten Überzeugungen, auch mit mehr oder weniger esoterischen Verschwörungstheorien hört man immer wieder das Argument: „Es gibt Untersuchungen, die uns vorenthalten werden.“ Diese Untersuchungen sollen die Position des Sprechers beweisen. Es ist durchaus vorstellbar, kann durchaus sein, dass es solche Untersuchungen gibt.

Aber: Entweder der Sprecher kennt diese Untersuchungen, dann ist er derjenige, der sie uns vorenthält. Hat also keinen Grund für Anschuldigungen, sollte sich an seine eigene Nase fassen.

Oder er kennt sie nicht, dann kann er auch nicht beurteilen, ob die Untersuchungen tatsächlich existieren, ob sie richtig wiedergegeben werden, ob sie als Nachweis für irgendetwas taugen oder nicht.

Der Bezug auf die Untersuchungen soll Wissenschaftlichkeit suggerieren und damit Autorität verleihen. Egal wie esoterisch oder weit hergeholt der eigene Standpunkt, egal wie schwammig und undefiniert die verwendeten Begriffe. Das Problem ist, dass es tatsächlich Untersuchungen gibt, die uns vorenthalten werden. Viele große Unternehmen, zum Beispiel in der Pharmaindustrie oder Lebensmittelindustrie, unterhalten Forschungsabteilungen. Natürlich veröffentlichen die nicht alles, was sie herausfinden. Auch sonst werden nicht alle Untersuchungen von den Journals angenommen, vieles verstaubt ungelesen in Schubladen.

Daraus folgt aber noch lange nicht, dass die unveröffentlichten Untersuchungen den Standpunkt des Sprechers stützen. Denn was nicht bekannt ist, ist eben nicht bekannt. Man weiß nicht, ob das irgendetwas stützt und wenn ja, dann was.

Manchmal fördert hartnäckiges Nachfragen dann doch noch so etwas wie Untersuchungen zutage, so zum Beispiel bei den Wirksamkeitsbehauptungen von NLP, die sich dann leider bei genauerer Betrachtung als methodisch zumindest fragwürdig erweisen.

Ein anderes Beispiel ist die Behauptung, Bernstein würde bei Hunden gegen Zecken wirken. Was theoretisch durchaus vorstellbar ist, wird nur durch anekdotische Beobachtungen belegt, die dann als Untersuchungen oder sogar als Beweise ausgegeben werden.

Natürlich darf jeder seine Überzeugung haben. Aber um andere ebenfalls zu überzeugen, braucht es Argumente. Veschwörungstheorien sind bestimmt interessant und oft auch amüsant, was sie aber als Argument nur bedingt brauchbar macht.

1 Kommentar… jetzt kommentieren:
  • Andrea Baer

    Der Glaube ist des Menschen Himmelreich. Für manchen Zeitgenossen ist der Glaube an Esoterik und Verschwörungen zum Lebensinhalt geworden.
    Wenn dann erst eine selektive Wahrnehmung einsetzt, dann stehen rationale Argumente schnell im Abseits.

    Was ich damit sagen will: Jedem Tierchen sein Plaisirchen!

    Andrea

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