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Gersheimer Notizen
Das Ende der Welt liegt mitten in Europa

Friedensreich Hundertwasser und die „heilige Scheiße“

Friedensreich Hundertwasser, der als Künstler, Maler und Architekt bekannt geworden ist, war, was weniger bekannt ist, auch ein engagierter Umweltaktivist. Er forderte eine Lebensweise im Einklang mit der Natur, lehnte Kernenergie ab, engagierte sich für den Schutz der Meere und der Urwälder. Ästhetik und Ökologie gehören seiner Ansicht nach untrennbar zusammen.

Er verfasste mehrere Manifeste, so unter anderem auch 1979 eins mit dem Titel „Scheißkultur – die heilige Scheiße“. Darin weist er mit drastischen Worten darauf hin, dass der Mensch den Kreislauf der Natur stört, wenn er WCs, also wassergespülte Toiletten verwendet. Auch wenn man nicht wie Hundertwasser der Ansicht ist, dass man mit dem Betätigen der Wasserspülung gegen kosmische Gesetze verstößt oder eine gottlose Tat begeht, so bleibt doch die Tatsache, dass es ökologisch betrachtet alles andere als sinnvoll ist, Fäkalien ins Wasser zu bringen.

Hundertwasser hat recht, wenn er behauptet, dass die menschlichen Hinterlassenschaften, erstmal zu Humus umgewandelt, nicht Abfall, sondern kostbarer Rohstoff sind. Durch die massenhafte Verwendung künstlicher Düngemittel in Landwirtschaft und Gärten entstehen viele Umweltprobleme, die sich vermeiden ließen, wenn man den natürlichen Dünger, den der Mensch ja selbst produziert, nicht als Abfall, sondern als Rohstoff, eben als Dünger behandeln würde.

Die Erfindung der wassergespülten Toilette löste zu ihrer Zeit große hygienische Probleme. Heute entstehen große Probleme dadurch, dass durch die große Masse der anfallenden Abwässer immer mehr, immer teurere Kläranlagen notwendig werden, die doch die kritischen Stoffe nicht vollständig aus dem Wasser entfernen können. Frisch aus der Kläranlage entlassenes Wasser hat noch lange keine Trinkwasserqualität. In dünn besiedelten Gebieten entstehen zusätzliche Probleme durch die notwendige Kanalisation.

Denn die düngende Wirkung, die an Land, in der Landwirtschaft und im Garten so erwünscht ist, hat im Wasser nur negative Auswirkungen. Durch vermehrtes Algenwachstum wird der Sauerstoffgehalt der Gewässer abgesenkt, so dass Fische sterben und die Artenvielfalt verschwindet, im Extremfall tote Gewässer die Folge sind. Die erforderliche Technik, die den Eintrag der düngenden Stoffe in Gewässer verhindert oder zumindest reduziert, ist teuer und aufwendig.

Aufwendige Technik, hohe Kosten auf der einen Seite und Verwendung künstlicher Düngemittel auf der anderen Seite ließen sich vermeiden oder zumindest stark reduzieren, wenn man, wie von Hundertwasser gefordert, menschliche Abfälle nicht wegspülen, sondern kompostieren und als Dünger verwenden würde.

Denn weggespült sind die Exkremente zwar aus dem Blickfeld verschwunden, aber weg sind sie damit noch lange nicht. Die wassergespülte Toilette sorgt für einwandfreie hygienische Verhältnisse im heimischen Badezimmer, sorgt aber auch für große Probleme, durchaus auch hygienischer Art, wenn man die Umwelt mitbetrachtet. Denn menschliche Exkremente sind oft mit Bakterien und anderen Krankheitserregern behaftet, die in Kläranlagen nur schwer vollständig entfernt werden können. Durch einfache Kompostierung werden die Erreger dagegen abgetötet.

Es gibt also einige Argumente für die Verwendung der von Hundertwasser vorgeschlagenen Humus-Toilette, für die er auch gleich eine Bauanleitung mitgeliefert hat. Eine Humus- oder Kompost-Toilette ist eine Trockentoilette, sie benötigt keinen Wasser- oder Abwasseranschluss. Sie kann also überall aufgestellt werden. Trockentoiletten sind ökologisch sinnvoll, und wenn man sich nicht gerade für das von Hundertwasser vorgeschlagene minimalistische Modell, sondern für eine moderne Variante entscheidet, auch nicht arbeitsintensiver oder ekliger als herkömmliche WCs. Nebenbei spart man Wasser, die Kosten für den Abwasserkanal, und man gewinnt tatsächlich wertvollen Humus. Auch wenn man die Begeisterung von Hundertwasser, der von heiliger Scheiße sprach und den Humus als Rohstoff-Gold bezeichnete, nicht so ganz teilt, kann das Aufstellen einer Kompost-Toilette sinnvoll sein. Vor der Anschaffung sollte man sich jedoch informieren.

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